mobilfunk


Strahlen statt Information..........
..........von Dieter Donner

Die „freiwillige Vereinbarung“ der Mobilfunkbetreiber mit dem Landkreistag, die im Juli 2003 auch vom Landrat des Kreis Mettmann Thomas Hendele unterzeichnet wurde, ist für die Betroffenen nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde.

Wie die Antwort des Landrats auf die Dienstaufsichtsbeschwerde von Sven M. Kübler über das Nichtstun des Bürgermeisters der Stadt Haan deutlich zeigt: Die Verantwortung für Handeln im Sinne der Bewohner, die sich durch Mobilfunkstrahlen bedroht fühlen, wird hin und her geschoben. So ist die Enttäuschung von Sven M. Kübler in seinem Antwortbrief an Landrat Hendele zu verstehen, „über einen Landrat, der in einem persönlichen Gespräch Mitte Mai zu genau diesem Thema kein Wort über eine Vereinbarung verliert, die er selbst im Juli unterschreiben wird! Enttäuschung über das Kreisgesundheitsamt, das überhaupt kein Interesse an diesem Thema zeigt und sämtliche Gefahren leugnet – Motto: "Es ist ja noch niemand mit Problemen zu uns gekommen!" Enttäuschung über einen so genannten Umweltdezernenten, der es immer wieder versteht, die Seite der Mobilfunkbetreiber hervorragend darzustellen, Gefahren zu leugnen ("es ist ja nichts bewiesen, also ist da auch nichts!") und vor allem Kritiker regelrecht abzubürsten!“

Das wird noch im Jahr 2003 so behauptet, obwohl mittlerweile auch in führenden Computerzeitschrift wie PC-PROFESSIONELL, einer Zeitschrift, die sicher nicht als technikfeindlich diffamiert werden kann, die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung als Problem erkannt wird.

Schweigen im Antennenwald

Auf der Internetseite des Kreis Mettmann sind unter dem Stichwort Mobilfunk die Mobilfunkantennenstandorte noch leidlich aktuell verzeichnet. Aber die eigentlich auch vorgesehenen Karten mit den „sensiblen Bereichen“ – bestimmte Innenstadtbereiche in der Nähe von Krankenhäusern, Grundschulen und Kindergärten – werden auf den Internetseiten nicht aufgeführt; dies soll jetzt der Regulierungsbehörde überlassen werden. Das kann dauern und scheint wieder eine Methode zu sein, Verantwortung zu verschieben.

Bei diesem seltsamen Verhalten der Kreisverwaltung wundert es nicht, dass in den Städten die freiwillige Vereinbarung eher als Schutzschild erscheint, der gegen die Proteste der Bewohner zur Abwehr und zur Förderung der Interessen der Mobilfunkbetreiber dient. Die Anwohner werden, frei nach dem Motto „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“, entweder überhaupt nicht informiert, oder, wenn es sich nun gar nicht vermeiden lässt, auf jeden Fall erst nach Montage und Inbetriebnahme vor vollendete Tatsachen gestellt.

Sensible Bereiche

Wenn die Standorte - wie in Hilden durch den BUND - öffentlich gemacht werden, wird auf die „freiwillige Vereinbarung“ zum Einhalten von Abständen zu „sensiblen Bereichen“ verwiesen. Stellt sich dann aber heraus, dass die Abstände wie in Hilden an der Beethovenstraße zu zwei Schulen nicht eingehalten werden, gibt es auch dafür eine Erklärung: „Die Mobilfunk-Standortkarte, welche die sog. "sensiblen Bereiche" (die auf Angaben der jeweiligen Gemeinde beruhen) mit einem 1OO-Meter-Radius versieht, wurde durch den Kreis Mettmann erstellt. Der Mittelpunkt des jeweiligen Kreises für einen sensiblen Bereich wurde dabei ins Zentrum eines Gebäudes oder Platzes gelegt, bei mehreren Gebäuden (z.B.. Schulen) ins Zentrum der gesamten Anlage. So ist es nicht verwunderlich, das einzelne Gebäude oder Räumlichkeiten eines Hauses näher als 100 Meter von der Immissionsquelle entfernt sein können. Dies erklärt auch Ihre Messergebnisse von 90 bzw. 95 m im vorliegenden Fall.“

Schutzlos ausgeliefert

So wird der Ball oder die Verantwortung für das Strahlungsbombardement von einem Schreibtisch zum anderen verschoben. Für den Schutz der Betroffenen wird dabei nichts erreicht. Und der „Runde Tisch Mobilfunk“ dient immer nur als Alibi, um vorzutäuschen, dass die Kritiker mit einbezogen würden und nicht so einen Wirbel machen sollten. Müssen wir uns da noch wundern über solch ein Verhalten, wenn dann Kanzler Schröder seinen Umwelt-minister Trittin anweist, den renommierten Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing nicht zu einem Gespräch zu empfangen? Den Grund dafür können wir nur vermuten: Schröder wollte Trittin vor zuviel Erkenntnis bewahren.

Die Motivation zu einer solchen verantwortungslosen Verhaltensweise kann eigentlich nur aus den fast 50 Milliarden Euro Staatseinnahmen aus den UMTS-Lizenzen rühren. Für so viel Geld verkaufen Kanzler und Umweltminister die Zukunft der in Deutschland lebenden Kinder und anderer Elektrosensibler an eine unerforschte und belastende Technik. Dabei hoffen diese Politiker und ihre Helfershelfer offensichtlich darauf, dass die Folgen dieser Entscheidungen bis zum Ende Ihrer Amtszeit nicht aufgedeckt werden. Wer bringt schon Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus und Alzheimer mit den Mobilfunkstrahlen der nahegelegenen Antenne in Verbindung? Wenn Deutschland ein Volk von „Früh-Alzheimern“ geworden ist, kommt ein Schutz für diese Generation zu spät.

Wir werden weiter die Betroffenen informieren und ihnen die Beschwerde gegen jede Mobilfunkantenne in ihrem Wohngebiet empfehlen. Nur so können wir die Verantwortlichen zwingen, Farbe zu bekennen und zu zeigen, auf welcher Seite sie stehen. Wir, die Bürgerinnen und Bürger sind es schließlich, die unsere Verwaltung und Volksvertreter bezahlen sollen.