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Silberberg: Ausgleich vage........von Götz-R. Lederer

Es gibt keine Beschränkung mehr für die Kalkwerke, nachdem die Bauern weichgeklopft worden sind und dem Verkauf ihres Landes zugestimmt haben. Verständlich, wer will schon jahrzehntelang direkt mit Lärm und Staub vom Kalkabbau leben.

Die Kalkwerke haben daher ihren Antrag auf Abbau zurückgezogen und für eine neue Fläche neu formuliert. Auf hundert Hektar soll Kalk abgebaggert werden. Positiv anzumerken ist, dass im neuen Antrag die Bachverlegung besser als in der ursprünglichen Planung geplant wird und auch, dass die durch die große Seentiefe von 275 m fehlende Sauerstoffversorgung (Meromixisgefahr) wenigstens erwähnt wird.

Zementwerk fraglich

Es bleiben aber viele Ungereimtheiten im Antrag. So ist der Bau des Zementwerks lediglich nachrichtlich benannt. Im Antrag wird zwar erwähnt, dass ein Zementwerk geplant sei. Ob dies in der jetzigen wirtschaftlichen Lage aber wirklich in Angriff genommen wird, ist fraglich. Wahrscheinlich ist dies auch für die Kalkwerke so, da das Zementwerk von einer anderen Firma gebaut werden würde. Momentan ist in Deutschland kein Bedarf für Zementwerke festzustellen. Ohne Zementwerk würde sich aber sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Abbaubedingungen erheblich ändern. Zumindest müsste eine Alternativplanung erwägt werden.

Kulturlandschaft wird geopfert

Es handelt sich bei der Abbaufläche um alte Kulturlandschaft mit Bauernhöfen, die schon seit vielen Jahrhunderten bestehen. All dies würde dem Bagger zum Opfer fallen.

Wenn es tatsächlich zum Abbau kommt, können einem die Anwohner an der Wimmersberger Straße nur leid tun. Die Wirkung der infolge des Steinbruchbetriebs auftretenden Emissionen sind immens. Lärm, Staub und Erschütterungen werden ihr Leben begleiten, auch wenn die berechneten Werte knapp unter den Grenzwerten liegen. Ebenfalls betroffen sind die Bewohner der "kleinen Schweiz", die mit 199 Metern sogar noch näher an dem Abbaubereich liegt, und Nord Erbach 52, das sich in 270 Meter Entfernung vom Bruch befindet. Am nahesten liegt jedoch Haus Quall mit nur 68 Metern Abstand. Hier sollen Kaufverhandlungen begonnen worden sein, denn ohne die Zustimmung der Besitzer ist die gesamte Planung Silberberg in der vorgelegten Form nicht durchführbar!

Negative Auswirkungen auf die Tierwelt, insbesondere die Vogelwelt, bleiben im landschaftspflegerischen Begleitplan vollkommen unberücksichtigt. Das gilt auch für das nahe gelegene potenzielle FFH-Gebiet südlich von Tönisheide.

Meromixisgefahr

Die angesichts der neuesten fachwissenschaftlichen Erkenntnisse äußerst problematische Tiefe des entstehenden Sees mit bis zu 275 Metern in Rohdenhaus Nord und 175 Metern am Silberberg ist schlichtweg unerträglich. Die fehlende Sauerstoffversorgung des Sees und die negativen Folgen daraus sind nicht ausreichend bedacht. Eine zu hohe Seetiefe kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Güte des Gewässers und damit letztlich auch des Grundwassers haben. Diese Wirkung ist zuletzt in Untersuchungen der badenwürttembergischen Umweltfachbehörden im Rahmen des vom dortigen Umweltministerium initiierten Pilotprojekts "Konfliktarme Baggerseen" belegt worden. Danach ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung allenfalls bis zu Wassertiefen von 60 Metern gewährleistet.

Die Meromixisgefahr in den entstehenden Seen ist keineswegs gebannt, auch wenn das hydrogeologischen Gutachten die Gefahr herunterspielt. Hierzu ist auch noch erwähnenswert, dass der landespflegerische Begleitplan das entstehende Gewässer für Naherholungszwecke für nicht geeignet hält.

Ausgleichsmaßnahmen vage

Das Sedimentationsbecken Eignerbach soll nach den Planungsunterlagen dem Ausgleich dienen. Allerdings muss man feststellen, dass die Vorhaben hier überhaupt nicht örtlich zugeordnet werden. Man muss vermuten, dass man sich möglichst freie Hand lassen will. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, diese Zuordnung jetzt schon zu machen.

Auch die Planungen bei der Bachverlegung sind zu ungenau und vage gehalten. Das Sedimentationsbecken hat immer noch eine große Bedeutung für Zugvögel insbesondere Watvögel. Für deren Überleben ist aber keine Vorsorge getroffen. Man muss davon ausgehen, dass die ökologische Wertigkeit des Geländes im Zuge der Maßnahmen abnimmt. Problematisch ist, dass ein Großteil des Ausgleichs auf dem Sedimentationsbecken stattfinden soll, das ja selbst schon ein Eingriff in die Landschaft.

Ob der Ausgleich so wie in dem Antrag dargestellt überhaupt rechtens ist, bezweifeln wir. Wir haben aus dem Antrag einen Fehlbedarf beim der Flächenausgleich von 22 Hektar ermittelt.

Fazit: Es bleiben viele Ungereimtheiten im Antrag. Wir haben erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben in der jetzt beantragten Form. Das haben wir auch in unserer Stellungnahme zum Ausdruck gebracht. Wir erwarten, dass unsere fachlich berechtigten Anregungen zu einer Planungs- oder Genehmigungskorrektur führen. Denn andernfalls wären wir gehalten, die ausreichende Berücksichtigung der Belange des Natur- und Landschaftschutzes im Beschwerde- und Klageweg durchzusetzen.