VERKEHR


Planung im Niemandsland
L 403n - die Straße, die niemand braucht
von Claudia Roth

Vor nahezu 30 Jahren ging es den Stadtplanern und Politikern um die Erstellung des “Rings um Hilden”, der in den Zeiten der kollektiven Umgehungsstraßen-Euphorie überörtlichen Verkehr an den Stadtgrenzen aufnehmen und so die Innenstadt entlasten sollte.

“Der Rat der Stadt Hilden”, so wurde 1975 bekannt gegeben, “hat die öffentliche Auslegung der 65. Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Die Planung beinhaltet den Verlauf der westlichen, südlichen und östlichen Stadtumgehungsstraßen zwischen der Düsseldorfer Straße (B 228) und der Kreisgrenze der Stadt Solingen sowie zwischen Ohligser Weg und der A 46. Der Entwurf liegt in der Zeit vom 17. Februar 1975 bis einschließlich 19. März 1975 zu jedermanns Einsicht aus. Bedenken und Anregungen können während der Auslegung vorgebracht werden.”

Allerdings zeigte sich bald, dass ein solches Vorhaben in einer Stadt wie Hilden, die nahezu vollständig von Autobahnen umgeben ist, allenfalls geeignet ist, die Eitelkeit einiger Politiker zu befriedigen, nicht aber, tatsächlich Verkehrsprobleme zu lösen.

Scheibchenweise gelang der Bau der nördlichen Hälfte des Rings, natürlich immer verbunden mit der nahezu zwangsläufigen Erschließung neuer Gewerbe- und Wohngebiete rechts und links der neuen Straßen. In dem Maße, wie eine Verkehrsentlastung hätte gelingen können, holte man sich die Ursachen für neue Verkehrsströme ins Haus.

Im Jahre 1990 wurde das Planfeststellungsverfahren für den Bau der L 403 n zwischen der Walder Straße (heutiges Ende der Ausbaustrecke) und der Schneiderstraße in Langenfeld eingestellt. Die Landespolitik hatte entschieden, dass es drängendere Verkehrsprobleme als die in Hilden zu lösen gebe.

Da sich in den 30 Jahren bis heute zwar vieles verändert hat, einige der Hildener Lokalpolitiker von damals aber auch heute noch herumdoktorn, spukte die Idee der Vollendung des begonnenen Werkes auch weiterhin in den Köpfen so mancher Stadtväter und -mütter umher.

Was lag da näher, als nach dem Aus neue Verbündete für das Projekt zu suchen: jenseits der Stadtgrenzen in Solingen und Langenfeld wurden sie gefunden. Unter der Regie der Industrie- und Handelskammer gelang es den Stadtoberhäuptern gemeinsam, dem Projekt neues Leben einzuhauchen.

Denn trotz Knappheit in den öffentlichen Kassen, trotz Herabstufung der L 403 n im Landesstraßenbedarfsplan und trotz des nachgewiesenenermaßen fehlenden Nutzens dieser Straße für Hildener Verkehrsprobleme steht die Planung plötzlich wieder auf der Agenda. Der Landesbetrieb Straßen.NRW stellte Mittel bereit, um eine Umweltverträglichkeits und eine verkehrstechnische Untersuchung in Auftrag zu geben. Drei Varianten zur Verlängerung des Ostringes ab Walder Straße sind im Gespräch:

Untersucht wird jeweils nur eine anbindungsfreie Trasse, das heißt, nirgendwo zwischen Walder Straße und Schneiderstraße ist ein Anschluss an bestehende Straßen vorgesehen.

Alleiniger Nutznießer wäre damit die Stadt Langenfeld, die ihr Gewerbegebiet Langenfeld-Ost in Richtung Norden zur A 3 bzw. A 46 anbinden könnte, wenn auch mit erheblichen Umwegen für den Verkehr. Der Traum von einer verkehrlichen Entlastung des Hildener Südens lässt sich auf diese Weise nicht realisieren, denn die fehlenden Auf- und Abfahrtmöglichkeiten machen aus dem Ostring keine Alternative zur Richrather Straße. Und die neue Nord-Süd-Verbindung löst noch immer nicht die Ost-West-Probleme, zum Beispiel über die Walderstraße in Hilden. Solingen schließlich, das immerhin für die halbe Strecke sein Stadtgebiet zur Verfügung, hätte überhaupt keine Vorteile von der Straße.

Warum also machen sich die Ratsmehrheiten in Solingen und Hilden zu willigen Erfüllungsgehilfen der Langenfelder Interessen? Hofft man, im Rahmen der bewährten Salamitaktik doch noch ein Scheibchen abzubekommen und irgendwie durch den einen oder anderen Anschluss oder Knoten profitieren zu können? Da es sich um eine Landesstraßenplanung handelt, wird ja zum Glück der städtische Haushalt nicht belastet. Oder spielen im Hintergrund noch ganz andere Interessen eine Rolle?

Dabei steht die einzig akzeptable Variante der Straße bereits jetzt fest: die Nullvariante. Nur mit ihr – das heißt: ohne jede Straße – werden die verkehrsplanerischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte angemessen berücksichtigt: