VERKEHR


Blitzschnell in den Dauerstau
Oder: Stadtverträglicher Ausbau von Landstraßen
von Dr. Werner Reh

Wegen des miserablen Politikmanagements hat der BUND die A44 in das "dusselige Dutzend" von bundesweit zwölf Fernstraßenprojekten aufgenommen. Aber vielleicht hat ja die politische Klugheit bei der A 44 noch eine letzte Chance.

Die Trasse der A 44 und ihre Varianten. Die offizielle Variante ist durch Pfeile gekennzeichnet (Grafik: Uwe Fischer)

Die A 44 war seit den 70er Jahren als Ost-West-Verbindung durch das Ruhrgebiet parallel zur A 40 und A 46 in den Fernstraßenausbauplänen der Bundesregierung enthalten. Ende der 70er Jahre scheiterte die Durchquerung von Bochum endgültig am Widerstand der Bürger. Gebaut wurde dann in den 90er Jahren nur ein Teilstück mit der Rheinquerung im Düsseldorfer Norden, um den linken Niederrhein besser an die Messe und den Flughafen anzuschließen.

Wechselnde Begründungen

Daran soll in östlicher Richtung das Teilstück von Ratingen Ost bis Velbert (A 3) anschließen, nunmehr mit dem Ziel, die Stadt Heiligenhaus vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Allerdings kann diese Überlegung bei einem Binnenverkehr von über 75 Prozent in Heiligenhaus mitnichten überzeugen. Die Ruhrgebiets-Transversalenphilosophie ist mit der endgültigen Aufgabe der östlich von Velbert gelegenen A44-Teilstücke hinfällig. Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2003 taucht folglich als jüngste Begründung nur noch die Verbesserung der Auto-Erreichbarkeit des Oberzentrums Düsseldorf von Ratingen und Velbert auf, wobei die 90 000-Einwohnerstadt Velbert die größte deutsche Stadt ohne zentralen Schienenanschluss ist. Die Verbesserung der Auto-Erreichbarkeit für Heiligenhaus und Velbert in Richtung Düsseldorf führt aber unvermeidlich dazu, dass die Fahrzeuge im Düsseldorfer Norden im berüchtigten Stau am "Mörsenbroicher Ei" stehen.

Angerbachtal ade

Die Umwelteingriffe durch die A 44 sind sehr gravierend und es gibt, wie die Umweltverträglichkeitsstudie aus dem Jahre 1994 betont, keinen konfliktarmen Korridor. Die A 44 durchschneidet unvermeidbar die beiden größten zusammenhängenden Freiflächen der Region. Das Angerbachtal (Naturschutzgebiet und potenzielles FFH-Gebiet) und mehrere landschaftsprägende Bachtäler müssen gequert werden. Mehrere Landschaftsschutzgebiete werden durchtrennt, weitere Naturschutzgebiete tangiert. Die Naherholungsgebiete im Norden von Ratingen-Homberg und im Süden von Heiligenhaus und Velbert werden durch die Verlärmung und Zerschneidung durch die A 44 erheblich entwertet. Die Trasse verläuft durch Trinkwasserschutzgebiete.

Politische Desinformation

Nach dem Kabinettsbeschluss vom 13. Mai meldeten sich Abgeordnete mit Presseinformationen, der naturschutzfachliche Auftrag müsse aufgehoben werden, es dürfe nicht verzögert werden, man plane doch schon seit Jahrzehnten. Bewusst übersehen wird dabei, dass eine FFH-Verträglichkeitsuntersuchung durchgeführt werden muss. Werden prioritäre Arten festgestellt, dürfen Straßen nur dann gebaut werden, wenn überragende Gründe des Allgemeinwohls vorgebracht werden. Und es muss ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Zumutbarkeit alles getan werden, um Schäden abzuwenden.

Weil es auf dem Gebiet der linienbestimmten Trasse (§ 16-Trasse) zum Beispiel Schwarz- und Grünspechte sowie sehr alte Buchenbestände gibt, ist dieses Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Dann wird eine naturverträgliche Alternative gebraucht, wie sie von den Umweltverbänden entwickelt wurde. Außerdem verlangt die europäische Richtlinie zur strategischen Umweltprüfung vom 27. Juni 2001 durch Durchführung einer umfassenden strategischen Umweltprüfung bereits auf Planebene. Diese muss auf jeden Fall Null- und Ausbauvarianten einschließen.

Weiterhin müssen nach Meinung des BUND auch verkehrsträgerübergreifende Alternativen wie die Niederbergbahn in einem Gesamtpaket zur Lösung der Verkehrsprobleme dieser Region eingeschlossen werden und auch im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2003 finanzierbar sein.

Wir machen's billig?

Die Kostenschätzung ist, ebenso wie die Verkehrsprognose, anzuzweifeln. Vom Landesbetrieb Straßenbau wurde mehrfach die Summe von 170 Millionen Euro genannt – in der Nutzen-Kosten-Vergleichsrechnung ist jedoch nur von 120 Millionen Euro die Rede. Der BUND hat eine Alternativplanung entwickelt, die den stadtverträglichen Ausbau der beiden Landesstraßen L 422 / L 426 und die Wiederbelebung der Niederbergbahn vorsieht. Deren Trasse von Velbert über Heiligenhaus bis Ratingen ist noch vorhanden. Von dort könnte die Trasse der S 6 genutzt werden, um direkt in das Zentrum von Düsseldorf zu fahren. vorsieht. Deren Trasse von Velbert über Heiligenhaus bis Ratingen ist noch vorhanden. Von dort könnte die Trasse der S 6 genutzt werden, um direkt in das Zentrum von Düsseldorf zu fahren.


Die Ortsdurchfahrt Heiligenhaus soll durch die A 44 Ratingen/Velbert entlastet werden
(Quelle: BMVBW, Projektdossier A44)