NATUR & UMWELT


20 Jahre BUND Heiligenhaus
von Christa Reißner

Aus einer lockeren Gruppierung von Naturschützern wurde von Herrn Lehmann-Carpzow im Jahr 1983 die Ortsgruppe Heiligenhaus des BUND gegründet. Nach seinem Wegzug 1985 wählten die Mitglieder Christa Reißner zur Vorsitzenden, die seitdem dieser Ortsgruppe vorsteht.

Was ist im Rückblick auf diese Zeitspanne von zwei Jahrzehnten zu vermelden und hat sich die ehrenamtliche Tätigkeit unserer Mitglieder und Freunde gelohnt? Diese Frage ist mit einem eindeutigen JA zu beantworten. Unabhängig von all dem Erreichten, aber auch häufigen Frustrationen, war es für alle Mitstreiter eine so befriedigende Erfahrung, im Kreise Gleichgesinnter, für den Erhalt unserer schützenswerten Naturräume in Wort und Tat engagiert einzutreten, sie zu verteidigen, ja sogar heftig zu streiten, wenn es notwendig war. Natürlich gibt es in einem Gemeinwesen zahlreiche Interessengruppen mit divergierenden Zielvorstellungen, die nicht immer mit dem Erhalt von Fauna und Flora übereinstimmten. Unsere feste Überzeugung jedoch, dass Natur- und Umweltschutz immer auch Menschenschutz ist, – unsere gesamte menschliche Existenz beinhaltet – hat uns letztlich überzeugt, weiter zu machen. So haben uns Erfolge ermutigt, Teilerfolge bestärkt und Misserfolge zum Weitermachen veranlasst.

Der BUND ist grundsätzlich überparteilich. Er arbeitet mit allen zusammen, die den Schutz von Natur und Umwelt ehrlich vertreten. Er zählt dabei auf aufgeschlossene, weitsichtige politische Entscheidungsträger, denn diese Welt (dazu gehört auch unser Heiligenhaus) ist viel zu schön und zu schade, um zerstört zu werden.

Die unerlässliche Zusammenarbeit mit Behörden, Vertretern der Politik und der Verwaltung ist als positiv einzuschätzen, und wir danken an dieser Stelle allen, die unsere Arbeit in den letzten 20 Jahren unterstützt und wohlwollend begleitet haben.

Ein kurzer Überblick über die vielfältigen Aktivitäten: Seit Gründung der Gruppe wurden Patenschaften für Biotope übernommen, mit jährlich wiederkehrenden Pflegemaßnahmen wie das Mähen von Wiesen, Schneiden von Gehölzen, Entschlammen von Teichen usw.

1988 begannen wir mit den ersten Heckenpflanzungen, zur Vernetzung von Lebensräumen, zum Schutz der Fauna durch Schaffung von Nist- und Nahrungsangeboten. Im Süden von Heiligenhaus sind dies inzwischen ausgereifte Rückzugsgebiete wie Im Wusten, Wiel, Im Hedtchen, Am Granatenwäldchen, Im Schmalenbeckbachtal, Am Weinbeckshäuschen. Auch im Norden entstand schon sehr früh die erste Hecke Am Gellenkothen und Am Wolterskothen. In dieser Zeit wurden die BUNDler von den NABU-Mitgliedern tatkräftig unterstützt.

Ab 1991 wurde begonnen, in Heiligenhaus das kulturhistorisch einmal vorhandene, aber immer mehr verschwindende Biotop der Streuobstwiesen wieder aufzubauen an Standorten, die uns von Privatleuten oder Landwirten zur Verfügung gestellt wurden. Pflanzmaterial bekamen wir aus dem Streuobstwiesenprogramm des Kreis Mettmann. Alte niederbergische Hochstamm-Obstbaumsorten wurden von uns wieder angepflanzt, bei den Familien Hein und Frisch an der Langenbügler Straße, bei Familie Meuersmorp am Stauteich, im Wolterskothen, unterhalb vom Hessenbleek, bei Familie Dreistein im Holzsiepen, oder bei Wusten im Angertal.

Der Artenschutz war von jeher ein dringliches Anliegen der Naturschützer. Von 1985 bis 1999 wurde deshalb an der Hofermühle Jahr für Jahr eine Amphibienschutzaktion vom BUND organisiert. So konnten Tausende von Amphibien vor dem sicheren Straßentod gerettet werden. Fledermaus- und Wasseramselkästen wurden aufgehängt, um auch diesen Tieren bessere Überlebensmöglichkeiten zu verschaffen.

Und getreu dem Motto “man schützt nur was man kennt” werden seit 1995 alle Libellenarten an Heiligenhauser Gewässern kartiert und an den Arbeitskreis Libellen NRW zur Erstellung eines Atlasses über Libellen weitergeleitet.

Seit 1999 wurden dann die überwinternden Wasservögel am Abtskücher Stauteich kartiert. Auch diese Erhebungen sind zum Schutz der Lebensräume der dort lebenden Arten wichtig. Im Frühjahr 2002 wurden von unserer Ortsgruppe alle im Heiligenhauser Gemeindebereich vorhandenen gesetzlich geschützten Biotope erfasst und an die Fachbehörde weitergeleitet.

Ebenso wichtig war es uns, Lebensräume über die Ausweisung von Schutzgebieten zu erhalten. So wurden wir schon im Jahr 1983 mit dem Antrag an die Untere Landschaftsbehörde tätig, die Hofermühle-Süd als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen und vor drohender Zerstörung zu retten. Der Sicherstellung des Vogelsangbachtales als NSG ging ein zähes, 10-jähriges Ringen voraus. 1997 wurde von uns bei der Unteren Landschaftsbehörde der Antrag auf ein NSG Angerbachtal von der Quelle bis zur Mündung gestellt.

Zusammen mit dem NABU und dem professionellen Wissen eines Käferexperten der COLEO wurde der Antrag gestellt, das Fuchslochbachtal als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitate) als Europäisches Schutzgebiet in Brüssel zu melden. Wir sind der Meinung, dass diese wunderschönen Bachtäler, die die Lebensqualität aller Bürger von Heiligenhaus erhöhen, dauerhaft für den Naturund Artenschutz gesichert werden müssen.

1991 wurde am Abtskücher Stauteich unser Infokasten aufgestellt, an dem sich interessierte Mitbürger informieren können.

Auch zur städtischen Veranstaltung "Tag der sauberen Landschaft" war stets eine Abordnung des BUND zur Stelle.

Informationsveranstaltungen und Protest gegen die Aufgabe des eigenen Trinkwassers 1988, oder gegen den Kalkabbau im Heiligenhauser Süden 1999, gehörten ebenso zu unseren Aufgaben wie Informationsveranstaltungen zu speziellen Themenbereichen. Der BUND schreibt zu unzähligen planerischen Vorhaben und Eingriffen als Träger öffentlicher Belange Stellungnahmen, nimmt an Behördenterminen teil und vertritt in den entsprechenden Ausschüssen In Kreis und Kommune die Belange des Natur- und Umweltschutzes.

Ab 1998 haben wir uns um den Kauf des von uns seit dem Jahr 1983 gepflegten Biotops Wolterskothen bemüht. Im Jahr 2001 waren unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt: Mit finanzieller Unterstützung durch die Kreisgruppe des BUND konnte dieser wertvolle Lebensraum für Mensch und Natur gesichert werden. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!

Natürlich unternimmt die Gruppe zur Abwechslung auch Wanderungen und feiert Feste, jedoch überwiegt bei uns der aktive Einsatz für und in Natur und Landschaft. Aber all diese Tätigkeiten waren nur möglich durch den unermüdlichen Einsatz unserer aktiven Mitglieder, denen ich an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte. Dank aber auch an jene, die uns ideell oder finanziell unterstützt haben. Verwaltung und Rat wissen sehr wohl unsere ehrenamtliche Arbeit zu schätzen. Dafür wurden wir mit dem Umweltschutzpreis der Stadt ausgezeichnet. Wir werden weiterhin ein kritisches Auge auf Vorgänge werfen, die eine Gefahr für Natur und Umwelt bedeuten können.

Zum 20-jährigen Bestehen wünschen wir uns noch mehr Engagement für die Natur in unserer Stadt. Auch wenn es nicht “trendy” ist, sich für die Natur einzusetzen, würden wir uns doch freuen, wenn auch Jugendliche durch sinnvolle Einsätze in der freien Landschaft ihren Anteil dazu beitragen, dass diese Welt auch noch morgen lebenswert ist. Dazu möchten wir an dieser Stelle animieren! Das persönliche Interesse für Natur und Umwelt genügt. Auf Wunsch können zu fast allen Gebieten Fortbildungskurse belegt werden. Schauen Sie mal rein! Wir freuen uns über jeden, der mitmacht!