MENSCH & TECHNIK

Extremes Hochwasser - vom Menschen gemacht?
Vorsorge - was kann der Kreis Mettmann tun?

von Claudia Roth

Auf Einladung der BUND-Kreisgruppe Mettmann referierten am 21.Februar 2003 Dr. Dietmar Schitthelm vom Bergisch Rheinischen Wasserverband (BRW) und Hans-Jürgen Serwe, Umweltdezernent beim Kreis Mettmann im Erkrather Kaiserhof über Ursachen und mögliche Vorsorge bei Überschwemmungskatastrophen.

 

Das Wasser kommt - immer öfter

Die Gefahr extremer Hochwasser hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Das ist das Ergebnis der Wetterbeobachtungen, die auch vom Bergisch Rheinischen Wasserverband (BRW) bestätigt werden. In den letzten elf Jahren lag in allein neun Jahren der Niederschlag deutlich über dem statistischen Mittel. Der Februar 2003, der uns bis jetzt eine langanhaltende Hochdruckwetterlage bescherte, ist seit anderthalb Jahren der erste Monat, dessen Niederschläge voraussichtlich unter dem durchschnittlichen Monatsmittel bleiben.

Nach Experteneinschätzung ist diese auffällige Zunahme an Niederschlägen auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Der Anstieg der Temperatur lässt über den Ozeanen größere Wassermengen verdunsten, so dass die Wolkenbildung zunimmt. Gleichzeitig steigt mit der Temperatur der Energiegehalt in der Atmosphäre. Die Spannungspotentiale in den Luftschichten nehmen zu und die Entladung der Energiemassen durch Stürme und Gewitter wird immer heftiger. Die Wahrscheinlichkeit, von so einem Unwetter betroffen zu sein, ist nach Schitthelms Ansicht zumindest in Europa überall gleich groß.

Platz- oder Dauerregen?

Welches Ausmaß die Hochwasserkatastrophe annimmt und wo die Schäden auftreten, ist dabei von der Dauer des Regenereignisses abhängig. Bei lokalen Unwettern mit einem kurzen aber kräftigen Platzregen treten die Effekte in kleinen Bächen und im Kanalnetz auf. Größere Gewässer reagieren hierauf kaum messbar.

Bei einem Regenguss von ein bis vier Stunden Dauer ist eine Zunahme der Wasserführung bis in die größeren Bäche wie Schwarzbach oder obere Anger festzustellen. Regnet es den ganzen Tag, reagieren Flüsse wie die Unterläufe von Düssel oder Anger. Damit größere Flüsse oder Ströme wie Ruhr, Wupper, Elbe oder Rhein über die Ufer treten, muss es mindestens mehrere Tage bis mehrere Wochen anhaltend regnen.

Zumindest bei den lokalen Unwetterereignissen ist die Flächenversiegelung als Hauptursache für Schäden verantwortlich. Das Regenwasser kann nicht in den Untergrund versickern, staut sich vor Kanaldeckeln und fließt in einem immer schneller werdenden Strom unkontrolliert ab. In diesen Situationen erweisen sich - Ironie am Rande - voll laufende Keller und Tiefgaragen oftmals als ungewollte aber sehr effektive Regenrückhaltebecken.

Bei großen Unwetterkatastrophen an Flüssen und Strömen machen nach Schitthelms Ansicht die Faktoren Gewässerausbau und Versiegelung nur einen Anteil von etwa 2 % an den Wassermassen aus. Nach tagelangem Dauerregen ist auch ein natürlicher, unberührter Boden derart gesättigt, dass er keinerlei Niederschläge mehr aufnehmen kann und wie eine voll versiegelte Fläche wirkt.

Grundwasser steigt

Ein weiterer Effekt der zunehmenden Niederschläge macht Hausbesitzern zu schaffen. Das versickernde Regenwasser speist das Grundwasser. Die Winterniederschläge gehen zu 90 % in den Grundwasserkörper, so dass der Grundwasserspiegel ständig ansteigt.

Die Situation spitzt sich insbesondere in den geologisch der Rheinterrasse zuzuordnenden Gemeinden des Kreisgebietes zu. Hier drückt das Grundwasser aus dem Bergischen Land an die Oberfläche. Anwohner in Ratingen-West, Hilden, Langenfeld und Monheim klagen bereits heute über feuchte Keller, obwohl sie in der Vergangenheit nie Probleme hatten. Eine Beeinflussung dieser großräumigen Grundwasserströmungen ist allerdings nicht möglich.

Vorsorge mit Modell

Der Bergisch Rheinische Wasserverband erstellt derzeit für alle Bäche im Verbandsgebiet, in die Regenwassereinleitungen erfolgen, hydraulische Gewässermodelle. Durch Vermessung werden die Flächen sichtbar, die bei einem außergewöhnlichen Regenereignis überschwemmt werden. Die so gewonnen Angaben sollen fortlaufend veröffentlicht werden. Sie verschaffen Gewässeranliegern die Möglichkeit zur Vorsorge und liefern Kommunen wichtige Informationen für die Stadtplanung. Ziel ist, dass im Sinne eines vorbeugenden Hochwasserschutzes die Menschen - wo nötig - Vorsorge treffen und - wenn möglich - dem Wasser künftig nicht mehr in die Quere kommen.