NATUR

Pilzkrankheit breitet sich aus
Birnengitterrost bedroht Altbäume im Kreis Mettmann
Claudia Roth

Im vergangenen Jahr wurde der Befall von Birnbäumen mit dem gefürchteten Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae) besonders auffällig. Im Frühjahr erschienen auf den Blättern hellorange runde Flecken, die sich im Laufe des Sommers in braune Wucherungen verwandelten und dem Baum ein mattolives Blattkleid verliehen.

Durch diese Schädigung der Blätter wurde der Stoffwechsel der Bäume stark gestört. Junge Früchte fielen ab und der Baum war zu keinem Wachstum in der Lage. Bereits Mitte August hatten viele Exemplare, besonders die stattlichen, das gesamte Laub verloren. An einigen Bäumen setzte Mitte September noch eine Notblüte ein.

Der Rostpilz, der diese Schädigungen verursacht, wechselt mit dem Fall der Blätter seinen Wirt: die Sporenlager, jene Wucherungen an den Blattunterseiten, platzen auf und der Wind trägt die Sporen davon. Treffen sie bei ihrem Flug auf eine Wacholderpflanze, haben sie ihr Ziel erreicht: die dringen über Nadeln und Triebe in das Gewebe des Strauchs ein. Nach der Winterruhe bildet der Pilz im darauffolgenden Frühjahr erneut Sporen aus, die durch Wind oder Insekten in einem Umkreis von bis zu 500 Metern auf die frisch austreibenden Birnenblätter gelangen. Der Zyklus beginnt von Neuem.

Zwei Faktoren begünstigen die Ausbreitung. An dem ersten Umstand lässt sich kaum etwas ändern: verregnete Frühjahre und Sommer schaffen für den Pilz, der es feucht liebt, paradiesische Wachstumsbedingungen. Der zweite Faktor ist jedoch menschengemacht: immer mehr anfällige Wacholder-Züchtungen füllen die Sortimente von Baumschulen. Wandern diese Sorten in Privatgärten oder auf Friedhöfe, ist dem Pilz ein wohnliches Winterquartier gesichert. Ein einmal infizierter Wacholderstrauch bleibt zeitlebens Träger und Infektionsherd. Als unbedenklich gilt übrigens die aus hiesigen Heidegebieten bekannte Form, der gemeine Wacholder Juniperus communis.

Was tun im Biogarten? Im Erwerbsgartenbau gibt es mit dem Birnengitterrost keine Probleme. Die routinemäßige Behandlung der Obstanlagen mit Fungiziden verhindert den Befall. Diese Lösung kann aber im Biogarten nicht befriedigen. Schier aussichtslos ist eine Spritzung außerdem im Streuobstanbau oder bei Hochstämmen, da aufgrund der Größe der Bäume eine gezielte Anwendung nicht möglich ist. Hier hilft nur, soweit möglich, den Baum zu stärken. Bodenkalkung und Düngergabe sorgen für Nährstoffnachschub. Ein kräftiger Auslichtungsschnitt bringt Licht und Luft in die im Laufe der Jahre dicht gewordene Baumkrone. So gerüstet sollte ein noch vitaler Baum mit dem Birnengitterrost, aber auch den vielen anderen Krankheiten wie Birnenschorf oder Bakterienbrand, gut zurecht kommen. In Fachkreisen wird die konsequente Entfernung befallener Wacholderbüsche als einzig wirkungsvolle Methode zur dauerhaften Bekämpfung empfohlen.

Mittelfristig ist zu wünschen, dass anfällige Sorten wenn schon nicht aus Gärten und von Friedhöfen, dann aber zumindest aus dem Sortiment der Baumschulen verbannt werden. Wer einen Wacholder im Garten hat, kann nachschauen, ob seine Pflanze Träger des Pilzes ist: ist die Pflanze bereits seit mehreren Jahren befallen, haben sich an den Ästen spindelartige Verdickungen gebildet. Aus ihnen wachsen je nach Witterungsverlauf zwischen Ende März und Mitte Mai nach Regenfällen gallertartige rostrote Zäpfchen von 1 bis 2 cm Länge, aus denen die Sporen austreten. Bei Trockenheit schrumpfen die Sporenlager wieder ein.

Als stark und mittel anfällig gelten nach einer Liste der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau (Schweiz) die Sorten

Juniperus chinensis
Juniperus chinensis
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus media
Juniperus sabina
Juniperus sabina
Juniperus sabina
Juniperus scopulorum

Robusta Green
Keteleeri
Gold Sovereign
Mathot
Old Gold
Swissgold
Pfitzeriana
Pfitzeriana Aurea
Pfitzeriana Compacta
Arcadia
Blaue Donau
Tamariscifolia
Blue Haven

Gering anfällig sind die Sorten:

Juniperus chinensis
Juniperus sabina
Juniperus sabina
Juniperus sabina
Juniperus sabina
Juniperus scopulorum
Juniperus scopulorum
Juniperus scopulorum
Juniperus virginiana

Parsonii
Broadmoor
Buffalo
Rockery Gem
Tamariscifolia Select
Moonglow
Skyrocket
Wichita Blue
Gery Owl
Viele weitere Züchtungen, insbesondere aus den Arten Juniperus communis, horizontalis, squamata und virginiana gelten derzeit als nicht anfällig.